Am Lausanner Polizeigericht wird auch verhandelt, wann Kritik an wissenschaftlicher Praxis als üble Nachrede gilt. | Foto: ZVG

Am 20. Juni 2025 wurde Solal Pirelli, ehemaliger Informatikdoktorand an der EPFL, vom Lausanner Polizeigericht wegen übler Nachrede verurteilt, berichtete 24 Heures. Shadi Aljawarneh, Professor an der Jordan University of Science and Technology, hatte ein Jahr zuvor geklagt, Pirelli habe mit einem Blogbeitrag seinen professionellen Ruf schwerwiegend geschädigt, wie ein von Retraction Watch publiziertes Dokument zeigt.

Im fraglichen Blogbeitrag beschuldigt Pirelli den Informatiker, seine Zitationszahlen künstlich erhöht zu haben, indem er Konferenzen organisiert habe, deren Veröffentlichungen unverhältnismässig viele Artikel von ihm und einem Kollegen zitiert hätten. In anderen hätten sich die beiden wiederum unverhältnismässig oft gleich selbst zitiert. Durch das Aufblähen des wissenschaftlichen Outputs habe Aljawarneh Posten erhalten, suggeriert Pirelli. Der Schweizer Blogger hat es sich zum Nebenjob gemacht, fragwürdige wissenschaftliche Praktiken aufzudecken. Mit Erfolg: Gemäss 24 Heures hat die wissenschaftliche Gesellschaft Association for Computing Machinery eine Untersuchung gestartet, eine Konferenz annulliert und den jordanischen Professor aus der Redaktion einer Zeitschrift geworfen.

«Wir sind froh um Leute, die solche Fälle anprangern.»Martin Vetterli

Nachdem auf die Klage von Aljawarneh zuerst nicht eingetreten wurde, hatte sein Rekurs in Lausanne Erfolg, und schliesslich wurde die Klage gutgeheissen. Pirelli wurde zu 50 Tagessätzen à 100 Franken und einer Busse von 400 Franken verurteilt. Er muss für Kosten des Klägers in der Höhe von 5000 Franken aufkommen. Der ehemalige Präsident der EPFL, Martin Vetterli, hat zugunsten Pirellis ausgesagt: «Wir sind froh um Leute, die das Risiko auf sich nehmen, solch problematische Fälle anzuprangern.» Der Kläger- Anwalt kündigte an, sich nun die EPFL vorzuknöpfen: «Sie hat die Anwesenheit von Aktivisten unter den Mitarbeitenden toleriert, die keine Wissenschaftler sind.» Pirelli zeigt sich unbeeindruckt. Der Blogbeitrag bleibt online. Er will das Urteil weiterziehen.