Junge Meinung
«Die Schwächsten trifft es am härtesten»
Wenn die Budgetpläne des Bundesrates durchkommen, werden 1500 Forschungsstellen im Mittelbau verschwinden, befürchtet Joanna Haupt, Co-Präsidentin von actionuni.

Joanna Haupt ist Co-Präsidentin von Actionuni, der Dachorganisation des akademischen Mittelbaus in der Schweiz. | Illustration: Klub Galopp
Vor vier Jahren reichten 8600 Forschende von Schweizer Hochschulen eine Petition ein, in der sie einen Aktionsplan für mehr Festanstellungen für Arbeitnehmende im akademischen Mittelbau forderten. Bis dahin hatten die meisten nur befristete Verträge und viele nur kleine Pensen. Obwohl es keine Garantie gab, arbeiteten sie wie verrückt und opferten Privatleben und Gesundheit, um eine der wenigen unbefristeten Positionen zu ergattern. Darunter litten nicht nur die Betroffenen, sondern auch die Qualität der Forschung und die Institutionen selbst, die mit jedem auslaufenden Vertrag kompetente und erfahrene Forschende und Dozierende verloren.
Die Petition zeigte Wirkung: Das Parlament anerkannte die prekäre Situation des Mittelbaus und die damit verbundenen Risiken. Es verlangte einen Bericht darüber, wie diese verbessert werden könnte. Swissuniversities stellte 20 Millionen Franken für Reflexionen bereit, der SNF ging die Arbeitsbedingungen an, und Actionuni, die Dachorganisation des Mittelbaus, wurde zu Gesprächen eingeladen. Wir machten uns keine Illusionen, hatten aber das Gefühl, dass unsere Anliegen endlich gehört werden.
Doch Ende letzten Jahres erfuhren wir, dass die vom Bundesrat beschlossenen Budgetkürzungen die Hochschulen hart treffen werden. Der von ihm in Auftrag gegebene Gaillard-Bericht, der einzig mit den steigenden Gesamtausgaben argumentiert, empfiehlt die Streichung von Programmen für Forschung und Gleichstellung, höhere Studiengebühren und einen Abbau des SNF-Budgets um Hunderte Millionen von Franken. Wenn öffentliche Leistungen gekürzt werden, leiden die Schwächsten am meisten. Wir müssen uns dagegen wehren. Sonst gehen die meisten Fortschritte verloren, die der Mittelbau seit 2021 erreicht hat.
Rund 1500 Forschungsstellen werden zudem verschwinden. Und ärmere Studierende werden Mühe haben, höhere Studiengebühren zu bezahlen. Am 1. Oktober hatten wir an den Hochschulen und in Bern mobilisiert. Nächstes Jahr werden die Proteste weitergehen. Wir werden so lange wie nötig Widerstand leisten. Die Kürzungen müssen gestoppt werden, bevor es zu spät ist – für die Qualität von Forschung und die Gesundheit und Würde unserer Kolleginnen und Kollegen. Dazu brauchen wir Solidarität an allen Hochschulen, von Studierenden bis Professorenschaft. Wir sind alle betroffen. Sagen Sie es weiter!