Fokus: Lange Leben
Fünf klare Meinungen zum offenen Ende
An sich selbst alles optimieren, gegen die Überalterung antreten, das selbstbestimmte Sterben hinterfragen: Ganz eigene Perspektiven zu Themen, die alle angehen.
«Ein Jahr Lebenszeit in Gesundheit ist unglaublich wertvoll»

Der Hype um Longevity
Manuel Puntschuh (44), Arzt und Geschäftsführer der Praxis Origin Health in Basel.
Manuel Puntschuh, wie alt möchten Sie werden?
So alt, dass ich mein Leben weiterhin geniessen kann – mit meinen Enkeln und Urenkeln, beim gemeinsamen Essen, Lachen, Reisen. Ob mit 90, 100 oder 120, spielt keine Rolle.
Sie sprechen von Healthy Longevity. Was ist das?
Es geht darum, gesund zu bleiben, solange es geht, indem wir positiv auf die Dinge einwirken, die uns altern lassen und Krankheiten mit sich bringen. Den Begriff Anti-Aging fand ich immer furchtbar, das macht das Altern zu etwas Negativem. Longevity dagegen fragt: Was passiert in unseren Zellen? Und wie können wir das beeinflussen?
Also doch die Aussicht auf ewiges Leben?
Nein. Aus heutiger Sicht halte ich schon ein Lebensalter von 200 Jahren für extrem schwierig und nicht greifbar. Aber: Wenn wir den Startpunkt typischer Erkrankungen nach hinten verschieben, gewinnen wir gesunde Jahre und damit fast automatisch auch Lebenszeit.
Sie kritisieren die heutige Medizin. Warum?
Die klassische Medizin behandelt Symptome. Wir geben Milliarden für Diabetes-Medikamente aus – doch die Zahl der Diabetiker steigt weiter. Diese Medikamente helfen beim Managen, aber sie heilen nicht. Longevity dagegen setzt früher an: Wir wollen Insulinresistenz und Risikofaktoren messen, bevor Diabetes oder ein Herzinfarkt überhaupt erst entstehen.
Ist Ihr Angebot ein Privileg für Reiche?
Ich hätte mir gewünscht, dass Longevity allen offensteht. Aber Realität und Wille klaffen auseinander. Viele Diagnostiken und Therapien sind teuer und werden von den Krankenkassen nicht übernommen. Gesund zu bleiben ist leider eine Privatsache.
Was treibt Sie an?
Bei der Prävention gibt es keine Helden. Niemand feiert, wenn etwas nicht passiert. Aber ein Jahr Lebenszeit in Gesundheit ist unglaublich wertvoll.
Mit welchen Kosten muss ich bei Ihnen rechnen?
Ein Basispaket kostet 1000 bis 2000 Franken. Der grösste Teil sind Laboranalysen, ergänzt durch Spezialuntersuchungen zu Epigenetik, Immunsystem, Darm. Danach schauen wir: Wo steht die Person? Wo können wir optimieren? Die klassischen Referenzwerte bedeuten nicht automatisch optimal. Wir legen die Latte höher.
Sie haben aber keine Evidenz über die langfristige Wirksamkeit Ihrer Therapien.
Wir haben keine 80-Jahre-Daten. Aber wir sehen genug für Rückschlüsse – und handeln danach. Vielfach arbeiten wir mit Tiermodellen oder epidemiologischen Studien.
Testen Sie auch an sich selbst?
Ja, natürlich, ich probiere vieles aus. Ich habe ja auch einen einfachen Zugang zu den Tests. Daneben achte ich auf meine Ernährung und mein Gewicht, treibe Sport und nehme Nahrungsergänzungsmittel. Ich arbeite ständig daran, bei mir selbst Dinge zu optimieren.
Geht es letztlich nicht einfach um Biohacking?
Das ist kein klarer Begriff. Ich verstehe darunter, die entscheidenden Hebel messbar zu machen: Gewicht und Stoffwechsel, Cholesterinprofil und Zellgesundheit, Aktivität und Fitness. So lässt sich personalisiert optimieren.
Auf Ihrer Webseite verweisen sie auch auf Longevity-Guru David Sinclair …
Er ist umstritten, ja. Nicht alles hat sich bewahrheitet. Aber er hat das Denken verändert – weg vom Krankheitsdenken, hin zu den Alterungsprozessen.
«Unsere Eliten waren schon immer überwiegend alt und männlich»

Die Crux der Überalterung
Valérie-Anne Ryser (50) erforscht Familien am Schweizer Kompetenzzentrum für Sozialwissenschaften (FORS) in Lausanne.
Valérie-Anne Ryser, gemäss einem populären Wissenschafts-Youtube-Video ist die Geburtenrate in Südkorea so niedrig, dass sich die Gesellschaft nicht mehr selbst erneuern kann. Zu pessimistisch?
Was in Südkorea geschieht, ist tatsächlich sehr beunruhigend. Die durchschnittliche Anzahl Kinder pro Frau gehörte 2024 zu den tiefsten der Welt. Der Film veranschaulicht eindrücklich die vielfältigen Folgen der niedrigen Geburtenrate, mit verlassenen Industriegebieten und Schulen. Er schafft damit ein Bewusstsein für das Problem. Ich sehe den Film aber auch kritisch.
Inwiefern?
Die genannte zusammengefasste Geburtenziffer steht nicht für die durchschnittliche Anzahl Kinder einer Frau während ihres Lebens, sondern für die durchschnittliche Anzahl Kinder pro Frau in einem bestimmten Jahr. Sie berücksichtigt daher nicht, dass Schwangerschaften heute aufgeschoben werden. Der Aufwärtstrend bei der Geburtenziffer seit 2024 wird zudem nicht berücksichtigt, genauso wenig die Rolle der Migration bei der Bevölkerungsregulierung. Auch die vor einigen Jahren lancierte Politik zur Geburtenförderung ist darin kein Thema.
Lange Zeit war von Überbevölkerung die Rede. Nun fehlen plötzlich die Babys. Habe ich etwas verpasst?
Der aktuelle demografische Wandel ist das Ergebnis rasanter und tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderungen: Fortschritte in der Bildung, eine effiziente Familienplanung und mehr erwerbstätige Frauen. Besonders markant ist die Dynamik in Südamerika und Asien.
Führt das zum Aussterben der Menschheit?
Wir haben noch Spielraum! Aber es stimmt, dass die Geburtenrate fast überall zurückgeht, ausser in einigen Regionen Subsahara-Afrikas. Langsam werden uns die Herausforderungen bewusst. Einige setzen auf Geburts-prämien, etwa Viktor Orbán oder Giorgia Meloni. Die Massnahme zeigt jedoch wenig Wirkung. In Europa haben die Länder mit der höchsten Gleichstellung von Mann und Frau – die skandinavischen Länder – auch die höchsten Geburtenraten. Solange es schwierig ist, Beruf und Familie zu vereinbaren, wird ein Kind weiterhin als hinderlich für die Selbstverwirklichung und die Karriere gesehen, vor allem von Frauen, die nach wie vor den Hauptteil der Hausarbeit leisten. Paare werden sich den Schritt daher gut überlegen. Eine Rolle spielt auch die immer länger dauernde wirtschaftliche Verletzlichkeit, die zum Hinausschieben der der Elternschaft beiträgt.
Das ergibt einen Teufelskreis: Je älter eine Gesellschaft ist, desto weniger interessiert sie sich für die Probleme der Jungen.
Das ist nichts Neues: Unsere Eliten waren schon immer überwiegend alt und männlich. Doch auch bei der Betreuung der Älteren gibt es Lücken. Es werden zum Beispiel nicht genügend Fachpersonen für die Altersmedizin ausgebildet. Zu Ihrer Aussage von wegen Teufelskreis: Ich weiss nicht, ob diese beiden Dinge zusammenhängen.
Was sollen wir tun?
Das Rentensystem, das auf einem Modell der 1940er-Jahre festgefahren ist, muss angepasst werden. Die Wirtschaft muss sich grundlegend ändern. Eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie wäre realisierbar durch flexiblere Arbeitsbedingungen, mehr Unterstützung in der Kinderbetreuung und Elternurlaube. Ich bleibe optimistisch: Zwei Kinder sind immer noch die Norm, und viele Paare wünschen sich mehr Kinder, als sie tatsächlich haben.
«Das Geheimnis: nicht trinken, nicht rauchen, viel Sport treiben und reich geboren werden!»

Das Tamtam um Blue Zones
Saul Newman (40), Oxford Institute of Population Ageing.
Saul Newman, Sie haben medizinische Forschung studiert und als Pflanzenwissenschaftler gearbeitet. Was interessiert Sie am Altern?
Dafür interessiere ich mich seit meiner Dissertation über die Evolution des Alterns. Weshalb wir über das zeugungsfähige Alter hinaus leben, bleibt ein Rätsel.
Weshalb kritisieren Sie das Konzept der Blue Zones, Regionen, in denen die Menschen älter und gesünder sind?
Es begann mit einem Fachartikel in Nature, in dem behauptet wurde, die maximale Lebenserwartung sei auf 125 Jahre beschränkt. Aber der Artikel enthielt grundlegende methodische Mängel, etwa einfache Rundungsfehler.
Es gibt keine Obergrenze? Dann sind Sie doch mit der These der Blue Zones einverstanden?
Nein, und ich stimme auch der Gegenthese nicht zu, die später in Science veröffentlicht wurde. Demnach soll in sehr hohem Alter die Sterblichkeit wieder abnehmen. Methodologisch gesehen war dieser Artikel noch schlimmer. Zur Veranschaulichung: Stellen Sie sich eine Gruppe von 100 000 Menschen vor, die 50 Jahre alt sind. Nehmen wir an, dass es Fehler in den Daten gibt und einer von tausend Menschen in Wirklichkeit 40 Jahre alt ist. Nach 50 Jahren werden diese «Fehler» besser überlebt haben als die echten 50-Jährigen. Je länger es dauert, desto stärker wird diese Verzerrung. Beide Seiten haben zudem eine dritte, offensichtliche Lösung übersehen: Die Altersgrenze hängt von der Umwelt ab.
Es gibt mindestens fünf sogenannte anerkannte Blue Zones, alle abgelegen, in Costa Rica, Sardinien, Griechenland, Kalifornien und Okinawa. Ihr bestes Argument dafür, dass sie ein Mythos sind?
Jedes Mal, wenn Daten unabhängig erhoben werden, halten die Behauptungen nicht stand. Nehmen Sie eine beliebige Zone. In Okinawa stellte die Regierung fest, dass 82 Prozent der betreffenden Menschen bereits tot waren. Rentenbetrug spielt eine grosse Rolle. Es gibt einen Grund, warum sich alle diese Zonen in den ärmsten Landesteilen befinden. Auch das griechische Statistikamt stellte fest, dass Renten an 30 000 Tote ausbezahlt wurden. Ziemlich peinlich. Die Blue Zone in den USA wurde geschaffen, um dem Herausgeber des National Geographic zu gefallen, wie der Autor offen zugab. «Blue Zones» ist ein kommerzielles Unternehmen, das Lizenzen für Blue Zones verkauft und das Vertrauen in die Wissenschaft massiv untergräbt.
Die Erkenntnisse aus Blue Zones sind im Kern doch unbestritten: Beziehungen pflegen, wenig Stress, weniger essen, vor allem Gemüse, nicht rauchen.
Die Behauptung, Sie könnten im Freundeskreis zusammensitzen und trinken, müssten nur moderat Sport treiben, klingt toll. Leider stimmt sie nicht. Nehmen wir Okinawa: Die Bevölkerung dort hat den geringsten Gemüsekonsum in Japan, den schlechtesten Gesundheitszustand und den höchsten Body-Mass-Index seit Beginn der Studie 1975. Es bestand nie eine wirkliche Verbindung zur Realität. Eigentlich müssen Sie Marathon laufen und Hanteln stemmen. Alt werden ist beschwerlich.
Wo leben die Menschen denn wirklich am längsten?
Das Blue-Zone-Konzept betrachtet die über 100-Jährigen. Das ist ein sehr problematischer Indikator. Viel robuster ist die Lebenserwartung. Wenn Sie diese betrachten, können Sie das Geheimnis lüften: nicht trinken, nicht rauchen, viel Sport treiben und reich geboren werden.
«Es geht nicht um christliche Werte, sondern schlicht um vernünftige Moral»

Der Haken assistierten Suizids
François-Xavier Putallaz (68), Philosoph und Ethiker, ehemaliges Mitglied des Internationalen Bioethik-Komitees der Unesco.
François-Xavier Putallaz, im japanischen Film mit Titel Plan 75 ist Sterbehilfe eine Dienstleistung des Staates für ältere Menschen. Haben Sie Angst, dass so etwas bald Wirklichkeit sein könnte?
Es gibt Menschen mit nicht behandelbaren Schmerzen, die sich das Leben nehmen. Man dachte, solche Situationen würden die Ausnahme bleiben. Doch das ist nicht der Fall. 2003 gab es in der Schweiz fast 190 Fälle von Suizidhilfe. Mit knapp 1730 assistierten Suiziden im Jahr 2023 – und 200 ausländischen Fällen – hat sich die Situation inzwischen wesentlich geändert. Tatsächlich hat die Zahl der assistierten Suizide in der Schweiz innerhalb von 20 Jahren um mehr als 800 Prozent zugenommen. Der Grund: die Ausweitung der Kriterien. 2004 war die Option nur für Menschen am Lebensende vorgesehen, ab 2014 konnten sich auch Patientinnen mit altersbedingten, zu Invalidität führenden Mehrfacherkrankungen dafür entscheiden, und 2024 wurde ein Arzt freigesprochen, der einer gesunden Person beim Suizid geholfen hatte. Eine unaufhaltsame Entwicklung.
Ist das ein Problem? Warum sollte man einer urteilsfähigen Person nicht helfen, ihr Leben zu beenden?
Vor 100 Jahren wurde die Beihilfe und Verleitung zum Selbstmord in der Schweiz straffrei, sofern keine selbstsüchtigen Motive vorliegen. Das Strafgesetzbuch verlangt keine medizinischen Kriterien. Wenn jemand sein Leben beenden will, ist nicht einzusehen, weshalb für eine Freitodhilfe medizinische Kriterien erforderlich sein sollten. Warum muss man krank sein, um frei zu sein? Das ist absurd. Der weltweit erste Einsatz der Suizidkapsel im Jahr 2024 in Schaffhausen bringt also eine Wahrheit ans Licht: Beihilfe zum Suizid ist keine medizinische Frage.
Mal abgesehen von medizinischen Kriterien: Ist assistierter Suizid aus christlicher Sicht grundsätzlich problematisch?
Es geht nicht um christliche Werte, sondern einfach um eine humanistische und vernünftige Moral. Wenn ein Mensch extrem leidet, wird niemand über einen solchen Freitod urteilen. Die Umstände ändern jedoch nichts an der Natur des Suizids: Die freiwillige Selbsttötung bleibt zweifellos eine problematische Handlung. Die allgemeine Moral verlangt, dass man andere begleitet und sich um sie kümmert. Die Hilfe bei der Selbsttötung ist hingegen keine Pflege, sondern deren Abbruch.
Haben wir nicht eine vergleichbare ethische Situation, wenn wir das Leben durch medizinische Massnahmen verlängern? Das eine ist eine künstliche Verkürzung und das andere eine künstliche Verlängerung des Lebens. Wo liegen die Unterschiede?
Ob künstlich oder natürlich, ist nicht das ethische Kriterium. Ja, es ist ein moralischer Fehler, menschliches Leben um jeden Preis zu verlängern. Das Wichtigste ist jedoch: Wenn eine aussichtslose Behandlung abgebrochen wird, dann stirbt der Patient an der Krankheit. Wenn Sterbe- oder Suizidbeihilfe in Anspruch genommen wird, wird der Tod absichtlich herbeigeführt. Dazwischen liegt eine unendliche Kluft. Mit ein wenig gutem Willen können das alle verstehen.
«Man könnte die Alten auch verehren – nicht, dass ich mir Verehrung wünsche»

Das Geheimnis vom Glück im Alter
Katja Früh (72), Autorin, Regisseurin und Rentnerin in Zürich.
Sie sagten mal, dass Sie das Alter akzeptieren können. Das klingt nicht sehr euphorisch. Ist ein langes Leben eher Fluch als Segen?
Ich bin jetzt 72, und je älter ich werde, desto mehr denke ich, es könnte jetzt schon noch eine Weile so weitergehen. Ich finde meine jetzige Lebensphase sehr angenehm und schön, habe aber trotzdem nicht den heissen Wunsch nach einem ewig langen Leben. Es gibt viele Aspekte eines hohen Alters, die ich nicht erstrebenswert finde.
Leisten Sie denn einen besonderen Effort, damit es bei Ihnen so schön bleibt?
Nein. Ich lebe beispielsweise nicht besonders gesund und finde es auch nicht lebenswert, wenn man sich kasteit. Natürlich soll man sich nicht ruinieren, aber ich finde es wunderbar, sich den Genüssen hinzugeben.
Was halten Sie vom Versuch, mit Sport, Ernährung oder Lifecoaching möglichst jung zu bleiben?
Ich finde es absurd, dass Menschen meinen, sie hätten alles in der Hand. Es kann jederzeit was passieren, so ist das Leben. Gegen diese Unwägbarkeiten anzustrampeln, wäre mir zu anstrengend und zu lustfeindlich. Ich sehe ja auch, wie manche Jogger dem Tod davonrennen, diesen Drang habe ich nicht.
Sie haben einmal geschrieben, man müsse im Alter nicht mehr gefallen. Was bedeutet das für Sie persönlich?
Na ja, da habe ich den Mund vielleicht etwas zu voll genommen. Gefallen will man ja immer – kurz: Ich bin immer noch eitel. Auf beruflicher Ebene allerdings muss ich nicht mehr so viel beweisen, bin nicht mehr auf gute Kritiken, Bewunderung und Anerkennung angewiesen.
Ich habe gelesen, dass Sie es schön fänden, am Lebensende mit Drogen quasi in den Tod zu gleiten. Macht Ihnen der Tod Angst?
Nein. Das würde ich so nicht sagen. Wie jeder Mensch habe ich Angst vor starken Schmerzen. Aber nicht vor dem Ende selber. Ich bin eher neugierig auf diese Erfahrung. Ich finde insbesondere bewusstseinserweiternde Drogen interessant, weil sie mich woanders hinführen. Ich denke, ich würde damit einen anderen Blick aufs Sterben bekommen.
Was sagt unser Umgang mit dem Alter über unsere Gesellschaft aus?
Nicht viel Gutes. Ich finde es irrsinnig traurig, wie wenig Achtung dem Alter entgegengebracht wird. Man könnte die Alten auch verehren – nicht, dass ich mir Verehrung wünsche. Aber was heute passiert, ist entwertend, das Alter wird als lästig empfunden: Die Menschen wollen nicht gespiegelt werden, nicht sehen, dass sie auch mal alt werden, den eigenen Verfall nicht akzeptieren.
Was würden Sie sich von der Gesellschaft hinsichtlich des Umgangs mit dem Alter wünschen?
Weniger Leistungsbezogenheit. Mehr Miteinander. Mehr Offenheit. Dass Junge und Alte mehr voneinander profitieren: Alte haben so viel Interessantes zu erzählen, Junge können den Alten so viel geben. Ich merke das, weil ich ja von jungen Leuten umgeben bin. Das hält mich lebendig.
Und wie alt möchten Sie nun werden?
Ehrlich gesagt: Ich überlege mir das manchmal. Früher sagte ich immer: 70. Jetzt bin ich schon über 70 und will natürlich noch etwas älter werden. Deshalb würde ich jetzt mal sagen 80. Aber wenn ich dann 80 bin, sieht’s vielleicht anders aus. Wenn ich meine 80-jährigen Freundinnen und Freunde anschaue, sind die noch sehr lustig. Anderereits: Ab 80 wird es körperlich härter. Aber ich habe auch keine Angst davor, mir helfen zu lassen.