Eine Klassenassistentin unterstützt ein Kind an der Primarschule in Suhr. | Foto: Christian Beutler / Keystone

In Schweizer Schulstuben wird die Inklusion gelebt: Kinder mit Lernschwierigkeiten, mit Sinnesbeeinträchtigungen oder Verhaltensauffälligkeiten werden in Regelklassen integriert und erhalten sonderpädagogische Unterstützung. Dieses Modell gerät allerdings zunehmend unter Druck: Lehrpersonen klagen über Überforderung, in einzelnen Kantonen wird wieder vermehrt über die Einführung von Sonderschulklassen diskutiert.

«Der Unterricht ist leistungsbezogener, die Schere wird grösser.»Eva-Maria Holzer.

In einer Literaturrecherche kommen Forschende der Universität Zürich nun zum Schluss, dass inklusiver Unterricht die Leistungen von Jugendlichen mit einem besonderen Förderbedarf in der siebten bis neunten Klasse (erste Sekundarstufe) verbessert.

Inklusion auf der ersten Oberstufe ist nur lückenhaft erforscht. Es gibt insbesondere wenige Erkenntnisse zur Frage, welche Auswirkungen sie hat. «Auf dieser Stufe ist inklusiver Unterricht sehr anspruchsvoll», sagt Erstautorin Eva-Maria Holzer. «Der Unterricht ist leistungsbezogener, die Schere wird grösser.» Zusammen mit Elisabeth Moser Opitz hat sie 21 internationale Studien zu dieser Frage ausgewertet.

«Es scheint es für Jugendliche mit besonderem Förderbedarf von Vorteil, wenn sie in der Regelklasse unterrichtet werden.»Eva-Maria Holzer

Sie kommt zum Schluss, dass Jugendliche mit besonderem Förderbedarf in inklusiven Settings der ersten Sekundarstufe vergleichbare oder bessere Leistungen erzielen als in separativem Unterricht. Gleichzeitig werden die andern Schülerinnen und Schüler diesbezüglich nicht benachteiligt. «Bezogen auf die Leistung scheint es für Jugendliche mit besonderem Förderbedarf also von Vorteil zu sein, wenn sie in der Regelklasse unterrichtet werden», erklärt Holzer.

Weitere Aspekte wie etwa die soziale Integration oder das Wohlbefinden wurden in der Literaturrecherche nicht berücksichtigt. Diese erhebt das Team nun in einer Studie in der Schweiz. Dazu analysieren die Forschenden in 85 Klassen Daten zu sozialen und leistungsbezogenen Aspekten des inklusiven Unterrichts. Sie interessieren sich dabei insbesondere auch für die Perspektive der Lehrpersonen.

E.-M. Holzer and E. Moser Opitz: The benefits of inclusive education: a systematic review of student achievement in secondary schools. European Journal of Special Needs Education (2025)